Nach dem ich die Ostküste erkundet hatte, konnte ich glücklicherweise noch 2 Wochen in Sydney verbringen! Inzwischen ist Sydney so sehr zu meinem Zu Hause geworden, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann wie es ist an einem anderen Ort zu wohnen!
Als ich die Kids wieder gesehen habe, war es als wäre ich nie weg gewesen! Außer das Eva auf einmal ganz anders aussah, als wäre sie in Europa um ein Jahr gealtert!
Von nun an hieß es jede Sekunde zu genießen, so viel wie möglich mit den Kids zu spielen, jede Möglichkeit nutzen in die Stadt zu fahren und vor allem nicht darüber nachzudenken dass der Abflug jetzt doch sehr nahe ist! wie es kurz vor einem Abschied typisch ist, habe ich vor dem Reisen ein Mädchen kennen gelernt mit der ich mich sofort bestens verstanden habe, nur leider war sie gerade erst in Sydney angekommen und ich muss schon wieder gehen. Dennoch unternahmen wir so viel wie möglich miteinander. Wir trafen uns unter der Woche auf einen Kaffe und gingen am Wochenende zusammen feiern! Die Zeit raste aber immer schneller und schneller und ich wollte einfach nicht mehr gehen. Während ich in der ersten Woche noch einen relativ normalen Alltag hatte wurde meine letzten Woche sehr voll, hektisch, intensiv und vor allem wunderschön. Das neue Au Pair kam 4 Tage bevor ich flog aber selbst dann war es noch nicht real dass ich Sydney verlassen werde. Während ich ihr alles erklärte und sie einwies in unseren Alltag, fing ich an so darüber nachzudenken wie es war als ich angekommen bin. Im nachhinein merke ich dass ich mit vielem vollkommen überfordert war, sehr lange wusste ich mich absolut nicht zurecht zu finden, hatte keine Orientierung über St Ives und fühlte mich verloren. Ich muss sagen das neue Au Pair war da von Anfang an selbstbewusster, sie folgte unseren Gesprächen am Tisch und antwortete mehr als nur mit 3 Wörtern, wie es bei mir am Anfang der Fall war. So langsam merkte ich dass ich eigentlich gerade erst die Tricks der Kids raushatte, wusste wie ich bei ihnen durchgreifen muss damit sie hören und dann muss ich auch schon wieder gehen. Ich versuchte die letzte Zeit mit den Kids so viel wie möglich zu genießen, denn sie sind mir doch deutlich mehr ans Herz gewachsen als ich es am Anfang gedacht hatte. Jeder hat seinen eigenen starken Charakter der sich bei mir eingeprägt hat und in manch einer Weise verändert hat.
Um jede Minute genießen zu können wurden die Nächte immer kürzer, und die Morgende immer früher. Mir stand ein volles Wochenende bevor, mit Abschied Geburtstag und all den Dingen die ich noch machen wollte. Zum ersten mal in Sydney schaute ich mir das nördliche Ufer der Harbour Bridge an. Das Wetter stand glücklicherweise auf meiner Seite und wieder ein mal verliebte ich mich in diese Stadt. Es gab noch so vieles was ich sehen wollte entschied mich dann aber dazu es bleiben zu lassen. Ich hasse es wenn man überall noch einmal hin geht “für ein letztes Mal“ denn das bedeutet dass man nicht zurückkehrt. Ich hatte aber eher das Gefühl, nur für Ferien wegzugehen! Ich genoss viel lieber die Sonne am Darling Harbour der auf einmal eine ganz andere Wirkung auf mich hatte. Als ich ihn das erste mal sah war ich völlig hin und weg, jetzt wo ich all die kleinen netten Plätze von Sydney kennen gelernt hatte, war es mir dort viel zu touristisch. Immer noch wunderschön, aber viel zu voll! Alle zusammen gingen wir Abends in die Stadt für mein Abschiedsessen! Mir wurde nicht gesagt, wo es hinging, nur dass ich eine schöne Aussicht haben werde! Als wir dann in der Stadt ankamen, ging es zum Circular Quay und dort ins Customer House. Dort ist im Boden ein Model von ganz Sydney durch eine Scheibe anschaubar. Wir gingen aber nach oben und dort nach draußen auf den Balkon. Sofort sah ich den absolut wunderbaren Ausblick auf die Harbour Bridge und das Opernhaus. Ich war sowieso schon in einer tollen Stimmung aber diese Aussicht war steigerte meine Stimmung noch mehr. Ich freute mich auf den Abend mit meiner Familie und bestellt zum ersten mal Wein mit meinen Gasteltern. Ansonsten war es eher schwierig etwas zu essen für mich zu finden. In australischen Restaurants gibt es meistens nur ein vegetarisches Menü und dies ist überwiegend Pasta, also eher nicht so spektakulär. Ich musste mir also mein Gericht mal wieder aus vielen Beilagen zusammenstellen. Als wir dann endlich aßen, erlebte ich eine weitere intensive überwältigende Gefühlsexplosion. Vermutlich hing das auch damit zusammen dass meine Stimmung schon an ihrem Höhepunkt war. Im Laufe des Dinners unterhielten wir uns über die letzten 6 Monate, und mich verlies immer noch nicht der Eindruck, dass meine Zeit zu gehen noch nicht gekommen ist. Ich dachte der Abend könnte nicht besser werden, bis wir zur Opera Bar für ein Dessert gingen. Hier saß ich nun wieder mit der Familie wo alles begann. Doch dieses mal war ich nicht schüchtern und stumm sondern redete über alles, machte späße und spielte mit den Kids! Ich merkte dass ich mich doch sehr verändert habe und viel mehr Selbstbewusstsein gewonnen habe. Erst recht wenn ich das neue Au Pair neben mir sah und versuchte mich in ihre Lage zu versetzen. Es war mir einfach nicht mehr möglich alles durch die Augen eines Neuankömmlings zu sehen, denn die Stadt und die Familie sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir ein Leben ohne all dem nicht mehr vorstellen kann. Ein Teil von mir wird immer in Australien bleiben!
Noch war meine Zeit aber glücklicherweise nicht gekommen. Es stand noch eine große Birthdayparty am Sonntag an, denn Eva wurde 6 Jahre alt. Wir dekorierten den Garten passend zu ihrem „under the sea“ und bereiteten uns auf eine Horde kleiner Mädchen vor. Die Party selber war einem deutschen Geburtstag dann doch sehr ähnlich. Abgesehen davon dass alle dressed up kamen, wurde eine Schatzsuche veranstaltet, Stopptanzen gespielt und viel süßes gegessen. Ich konnte nicht sehr viel tun, also unterhielt ich mich mit den erwachsenen oder spielte mit der Ella, die für vieles noch zu klein war. Und auf einmal war die Party auch schon wieder zu Ende und der Tag war viel schneller vorbei als ich es wahr haben wollte! Mir blieben nur noch ein paar wenige Stunden mit der ganzen Familie und mich überkam eine nervöse und traurige Stimmung. Für mein Abschiedsdinner kochte Carolyn all meine lieblingssachen, Mais, Brokoli, Kürbis, rote Beete, Pilze, Kartoffeln und natürlich gab es eine große Schüssel Salat. Denn ich war die „Königin des Salates“ zu der Eva mit kürte. Die ganze Familie war anwesend, mit Karl, Caroly, Marcus, Eva, Kidu, Andrew, Jenn, Ella und Caros freundin claire und natürlich das neue Au Pair! Doch danach begann erst der traurige Teil. Es hieß Abschied nehmen da am nächsten Tag kaum Zeit dafür da ist! Ich hatte ein paar Geschenke vorbereitet die ich ihnen übergab und Eva bekam zu ihrem Geburtstag noch besondere Ohrringe, da sie sich ein Tag vorher erst Löcher bekommen hatte! Dann wurde ich selber noch mit Geschenken überhäuft, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und wurde von meinen Gefühlen überwältigt. Letztendlich endete alles ein wenig in Traurigkeit und Unglaubwürdigkeit dass ich nicht weiterhin ein Teil der Familie sein werde, zumindest kein präsenter Teil!
Ich wollte dass dieser Abend nie endet, aber es wurde schon sehr spät und die Kids mussten am nächsten Tag in die Schule. Um meinen Abend noch etwas zu verlängern, fuhr ich noch in die Stadt. Ich hatte geplant in eine Bar zu gehen von der man eine herrliche Aussicht über den ganzen Hafen hat! Leider merkte ich zu spät, dass es Sonntag war und schon nach 10 Uhr, das heißt, alles war geschlossen. Das störte mich nicht, da ich mich mit einem Freund traf, wir nahmen eine Flasche Rotwein 2 Gläser und liefen durch die ganze Stadt. Als ich dort in der Dunkelheit lief wurde mir bewusst dass es das letzte mal sein wird für eine sehr lange Zeit. Ich nahm alles auf einmal wieder viel intensiver und bewusster auf. Jede Kleinigkeit versuchte ich mir einzuprägen und mitzunehmen.
Wir endeten letztendlich am Hafen an einer Aussichtsplattform von der wir auch einen wunderbaren Ausblick hatte, bis um 1 Uhr die Lichter der Brücke ausgeschaltet wurden. Irgendwie schien es mein Schicksal zu sein, endlich Abschied zu nehmen. Die letzten 2 Wochen werden mir wohl am stärksten im Gedächtnis bleiben!
Am nächsten Morgen stand ich extra früh auf um Jenny und Ella zu verabschieden. Dieses kleine aufgeweckte Mädchen freute sich so sehr mich zu sehen, dass es schwer war tschüss zu sagen, sie hätte es eh nicht verstanden! Als die Kids dann in der Schule waren hieß es für mich fertig packen, putzen und fertig machen zur Abreise! Ein letztes Mal drückte ich Marcus und Eva und merkte wie sehr ich die beiden vermissen werde! Zum Glück waren sie etwas abgelenkt von Evas neuen Geschenken so dass der Abschied nicht zu lange wurde! Im Auto unterhielt ich mich über alles mögliche mit Karl, so als würden wir nur kurz irgendwo hinfahren und dann wieder zurück kommen. Auf dem ganzen Weg zum Flughafen verließ mich nicht das Gefühl, dass ich wieder kommen werden. Ich erhaschte einen letzten Blick auf die skyline von Sydney und dann flog ich auch schon in eine neue unbekannte Zukunft!
