Mittwoch, 11. April 2012

"Fun is supposed to be spontaneous" 








Ich kann es gar nicht fassen, dass ich tatsächlich nicht einmal eine Woche vor Ostern spontan beschlossen habe nach Melbourne zu fahren. Nachdem mir die Familie eine Woche vor Ostern mitgeteilt hat, dass wir doch nicht an die Gold Coast gehen wusste ich nicht was ich machen soll. Immerhin hatte ich 4 Tage am Stück frei und wollte die nicht in Sydney verbringen. Als ich dann am Strand mit 3 anderen Mädels lag um unsere Reise im Juli zu planen, bekam ich richtig Lust weg zu fahren, egal wo hin! In einer Au Pair Gruppe in Facebook postete ich dann, dass ich gerne die Great Ocean Road machen würde! es fanden sich sofort ein paar andere Mädchen die auch nach Melbourne wollten (wo die Great Ocean Road beginnt). Allerdings wollten die in Melbourne bleiben. Ich überflog dann noch einmal die Strecke und merkte dass es allein nach Melbourne über 10 Stunden mit dem Auto dauert. Mit der Great Ocean Road wäre ich dann die kompletten 4 Tage im Auto gesessen. Wir beschlossen also 2 Nächte in Melbourne zu bleiben und dann auf dem Rückweg an der Küste entlang zu fahren und eine Nacht in der Nähe eines Strandes zu verbringen, da Bega relativ auf der Hälfte der Strecke lag fiel unsere Wahl auf dieses kleines Städtchen! 
Am Donnerstag Abend sollte es losgehen. Wir kannten uns untereinander alle nicht. Ich fuhr also zu dem vereinbarten Treffpunkt und stand 4 fremden Mädchen gegenüber. Mia eine Deutsche, die eine Freundin besuchen wollte, Nadia aus Dänemark, Marloes aus Holland und Claire aus China. Nachdem der übliche Smalltalk über gemeinsame Erfahrungen als Au Pair ausgetauscht waren, wurde es still im Auto und ich merkte dass ich doch sehr müde war! Jede Stunde machten wir einen Stopp und es gab auf der Strecke sogar Anlaufstelle für Auto und LKW Fahrer mit kostenlosem Kaffe, Tee und Keksen! Dennoch konnte ich nach 7 Stunden Auto fahren meine Augen kaum noch offen halten und beschloss, dass es für alle Mitfahrenden das beste und sicherste wäre, wenn jemand anderes fährt. Ich schlief sofort ein und wachte erst auf, als es schon wieder hell wurde. Ausgeruht wie ich war übernahm ich dann wieder das Steuer für die letzte Strecke zu unserem Hostel in Melbourne, das wir nach 11 Stunden Auto fahrt erreichten. Die Strecke war sehr angenehm zurück zu legen, da der Highway breit und flach war mit sehr wenig Verkehr! Völlig erschöpft mussten wir feststellen, dass wir erst am Mittag einchecken konnte, also beschlossen wir ein wenig die Stadt zu erkunden. Mein erster Gedanke war, Melbourne ist eine tote, langweilige, schmutzige und ein wenig heruntergekommene Stadt! Allerdings hatte ich auch noch nicht sehr viel gesehen und wegen Karfreitag war alles geschlossen und kaum ein Mensch unterwegs! Da wir alle nicht sehr beeindruckt waren von der Stadt warteten wir im Park bis wir auf unser Zimmer konnten! Für mich war es das erste Mal das ich in einem Hostel wohnte und wenigstens gefiel es mir hier! Wir landeten in einem 12er Zimmer und gönnten uns dann erst ein mal eine Dusche! Nach einem frühen, überteuerten Abendessen war ich ein wenig enttäuscht von allem und wollte doch noch die Great Ocean Road machen. Natürlich gab es aber keine Tour am Samstag weshalb ich noch enttäuschter war und beschloss am Abend nicht mehr auszugehen sondern im Hostel zu bleiben. Immerhin gefiel es mir hier. Die Stimmung in einem Hostel ist einfach super, alle sind offen und es herrscht ein vertrauensvolles Verhältnis. Man kann selbst wertvolle Sachen im Zimmer liegen lassen ohne dass sie jemand anderes nimmt. Außerdem kamen wir sofort in ein tolles Gespräch mit 2 Kanadierinnen! Vollkommen erholt startete ich mit neuer Motivation in den nächsten Tag in der Hoffnung dass dieser nicht enttäuschend endet. Bei unserer Planung des Tages stellte ich schnell fest, dass es schwierig ist mit einer Gruppe unterwegs zu sein, von denen man niemand richtig kenn. Denn keiner sagt wirklich seine Meinung was er machen möchte und was nicht. Letztendlich hatten wir uns aber eine Sightseeing Tour zusammen gestellt die uns als erstes auf den Queen Victoria Market direkt am Hostel führte! Sofort merkte ich, dieser Tag sieht vielversprechend aus. Der Markt bot alles was man braucht, war aber dennoch nicht nur auf Tourismus ausgelegt, sondern eher für alltägliche Dinge! Überdächte Schuppen trennten die verschiedenen Abteilungen voneinander. In dem einen Schuppen gab es Kleidung, im nächsten Obst und Gemüse und im nächsten konnte man alles Kaufen was man im Haushalt so braucht, das reichte von lebendigen Hühnern bis hin zu Einkaufswägen. Der Markt war aber nicht überfüllt wie man es sonst auf Märkten oft erlebt. Überhaupt herrschte hier ein alltägliches Treiben von Menschen die den markt als Einkaufsladen nutzten! Mit einem kostenlosen Shuttlebus fuhren wir an den Hafen und ich merkte sofort, dass mein erster Eindruck der Stadt komplett falsch war. Auf dem kurzen Weg im Bus sah ich unglaublich viele einzigartige Gebäude, von dem jedes ein kleines Kunstwerk war. Beim Bau der Häuser geht es wohl nicht darum, so sinnvoll wie möglich zu bauen, dass heißt ein großer eckiger klotz mit vielen Wohnungen, sonder darum, dass es schön aussieht, ganz egal wie sinnlos und unpraktisch der Raum genutzt wird. Dafür kann man überall etwas entdecken. Manch ein Haus hatte einfach nur eine ganz bunte strukturierte Fassade, ein anderes hatte Fließen wie in einem Badezimmer an der Außenwand und wieder ein anderes Haus hatte bewegliches Silberplatten die wie eine Welle die Hauswand entlang wanderten! Besonders am Hafen hatte man eine wunderschöne Aussicht auf die Skyline von Melbourne ohne Touristentrubel! Auf unserem weiteren Weg kamen wir an jeder Menge Kunstwerken vorbei, sei es eine Kuh die verkehrt herum in einem Baum hing, eine Rote Treppe die nirgendwo hin führte, Skulpturen die aussahen wie Wellen oder einfach ein leeres Zugabteil für ein Cafe! An jeder Straßenecke konnte man etwas entdecken und all dies stand im starken Kontrast zu den sehr alten einfachen Gabäuden, die dort auch noch existierten! Dagegen wirkte der Botanische Garten dann sehr enttäuschend. Außer hin und wieder einer Skulptur oder Brunnen gab es da nichts zu sehen und so machten wir uns auf den Weg zu unserem Ziel, der Graffiti Straße, eine Straße deren Wände voll sind mit Graffiti. Und da gab es wirklich jede Menge zu entdecken, ein kleiner Pfosten wurde zu einem Penguin, auf dem Boden waren Blumen verteilt, sogar die Beatles konnte man an der Wand entdecken! Völlig erschöpft von all den Eindrücken ging es dann wieder ins Hostel und wieder einmal merkte ich dass Autralien doch so anders ist als Deutschland. Wir kamen sofort wieder ins Gespräch mit anderen Mädels aus unserem Zimmer überhaupt geht hier jeder auf den anderen zu anstatt ihn zu ignorieren. Wenn man in Deutschland jemanden in der Straßenbahn oder auf der Straße anspricht wird man mit einem seltsamen Blick bedacht und dann ohne Antwort stehen gelassen. Ich denke auch nicht, dass man in Deutschland spontan mit 4 völlig fremden Menschen in eine völlig fremde Stadt fährt ohne zu wissen, wo man landen wird und ob man einen Schlafplatz für die Nacht hat. Ich war aber total entspannt und fühlte mich nicht einmal unwohl. Und obwohl keiner in seiner Muttersprache redete hatten wir keine Probleme lange Gespräche zu führen die weit über den oberflächlichen Small Talk hinaus führten! 

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