"How did it get so late so soon?"
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie es war als ich aus dem Flughafen rausgelaufen bin und gehofft habe, dass ich meine Hostfamilie erkennen werde. Voller Vorfreude und Aufregung auf alles was ich hier in einem fremden Land erleben werde hatte ich den ganzen Abend ein lächeln um den Mund! Und jetzt ist dieses Lächeln noch größer geworden, wenn ich zurück blicke auf die letzten 5 Monate und besonders wenn ich mich ohne Probleme auf englisch einer langen Konversation widmen kann ohne dass mein Gehirn nach 3 Minuten abschaltet! Aber am größten ist mein Lächeln wenn ich an meine tolle Hostfamilie denken muss, wie viel schönes ich durch und mit ihnen erfahren und erleben durfte. Besonders die letzten Wochen sind sehr intensiv gewesen und ich merkte, dass ich hier jetzt richtig lebe indem ich mir einen Freundeskreis aufgebaut habe aber auch dass ich vieles einfacher sehe! Vor ein paar Monaten hätte ich es mich nie getraut alleine irgendwo hin zu fahren ohne genaustens zu wissen wie ich da hinkomme und mein Handy mit google maps in meiner Hand zu halten! Inzwischen bin ich offener und sicherer geworden dazu haben mir auch meine brasilianischen Freunde verholfen.
Vor ungefähr 4 Wochen entschied ich mich ganz spontan einer Gruppe nach Canberra anzuschließen, Ich hatte schon von vielen gehört, dass diese Stadt sehr langweilig sein soll, dennoch wollte ich sie sehen, immerhin ist es die Hauptstadt von Australien. Wie erwartet war die Stadt so gut wie tot. Ich fragte mich also, wie kommt es dass Canberra zur Hauptstadt wurde. Die folgte ganz einfach der Regel, wenn sich 2 streiten freut sich der dritte. In diesem Fall stritten sich Melbourne und Sydney um diese Ehre und so baute man Canberra um der Rivalität aus dem Wege zu gehen! Wenn man sich die Karte anschaut, sieht man deutlich, dass jede Straße geplant ist und die Stadt nicht von alleine gewachsen ist. Es gibt zwei Teile der Stadt und beide verlaufen im Kreis. Ein Kreis im Norden umgibt die Innenstadt und einer im Süden verbindet das alte und das neue Parlament. Verbunden sind beide Kreise mit einer langen, großen, breiten Straße auf der kaum ein Auto zu sehen ist. Der Vorteil hier ist, dass man sich absolut nicht verfahren kann, man kommt immer auf eine der Hauptstraßen, egal in welche Richtung man fährt! Wir schauten uns Canberra also ganz entspannt an, im Prinzip bestand das nur aus einem Kriegsmuseum und dem Parlament wo wir eine Tour gemacht haben und viel über das politische System gelernt haben. Leider hatten wir es uns zu gemütlich gemacht und konnten dann doch nicht mehr alles sehen was wir wollten, dies lag natürlich auch daran, dass die Tage hier inzwischen sehr kurz geworden sind und die Sonne schon um 5 Uhr unterging. Dennoch hatten wir unseren Spaß, besonders als wir auf 3 Brasilianer stießen, die ein Gruppenfoto von uns machen sollten. schnell kamen wir alle ins Gespräch und beschlossen für den Rest des Tages die Stadt gemeinsam anzuschauen. Dies endete darin, dass wir beschlossen ein Dinner zu veranstalten mit brasilianischem Essen und deutschem Bier. Dieser Abend endete mit dem Beginn einer Freundschaft. Jedenfalls für mich, denn die anderen Mädels reisten bald wieder ab oder hatten kein Interesse! Also lud ich die drei Jungs zu meinem Geburtstag ein. Ich konnte es gar nicht glauben dass es schon wieder so weit war und ich meine Teenager-Jahre nun endgültig hinter mir lassen würde! Ich beschloss in meinen Geburtstag reinzufeiern und wollte einmal so richtig nach amerikanischem Stil feiern. Also mussten allen Partyhütchen aufziehen und ich kaufte mir ein Krönchen. Bald merkte ich dass das ein riesen Vorteil hat, man muss sich nämlich keine Getränke selber kaufen und bekommt ganz viele Glückwünsche, die oftmals in witzigen Gesprächen endeten mit unbekannten Menschen! Vollkommen gut gelaunt wollte ich am nächsten Tag all die schönen Dinge in der Stadt machen, zu denen ich vorher nicht gekommen bin, aber das Wetter spielte nicht mit und so verbrachte ich den Tag in einem Shoppingcenter! Da meine Hostfamilie sehr beschäftigt war, vergaßen sie meinen Geburtstag, überraschten mich dann allerdings 2 Abende später mit einer kleinen Nachfeier. Also hatte ich fast 4 Tage am Stück Geburtstag!
Eigentlich gab es nicht viele Ereignisse über die man schreiben könnte, aber ich selber habe mich sehr verändert und die Menschen in meinem Umfeld viel besser kennen gelernt! Deswegen mag ich Australien so gerne. Man kann sich einfach mit jedem Unterhalten und eigentlich auch fremden Menschen vertrauen! Normalerweise würde ich als Mädchen nicht alleine mit Jungs weg gehen, wenn ich sie nicht schon sehr lange kennen würde. Aber hier blieb mir letztendlich nichts anderes übrig, also feierte ich mit den Brasilianern ohne mich einmal unwohl zu fühlen. Ich hätte nie gedacht, dass das überhaupt möglich sein würde. Und jeder Besuch in deren Wohnung wurde netter und witziger, wir unterhielten uns lange über alles mögliche und ich merkte, dass ich sein kann wie ich bin ohne, dass andere Menschen über einen urteilen. Dieses Gefühl bekommt man in Deutschland eher selten, und das werde ich an Australien unglaublich vermissen, man kann einfach so sein wie man ist!
Jetzt liegt nur noch eine lange Reise vor mir auf der ich hoffentlich all meine neuen Erkenntnisse nutzen kann um eine schöne Zeit zu verbringen und viel neues zu lernen und erfahren!
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