Montag, 21. Mai 2012

"Live life with intensity"





Eine Woche nach Marcus‘ Geburtstag gab es natürlich auch eine Feier mit all seinen Freunden. Allerdings sieht das hier in Australien etwas anders aus als bei uns in Deutschland. Von meinen Kindergeburtstagen war ich es gewohnt, dass die besten Freunde den ganzen Nachmittag mit mir zu Hause verbringen, wir Schatzsuche, Reise nach Jerusalem oder Topfschlagen spielen und dann eine leckere Torte essen. Hier ist die Feier nur 2 Stunden lang und mit einem Thema versehen. Marcus wollte einer Skaterparty, also wurde ein Programm gebucht. Als alle Kinder endlich am Treffpunkt waren, bekam jeder ein Skateboard und eine halbe Stunde lang Unterricht. Nicht einmal Zeit für eine Pause hatten sie, bevor es mit einem Scooter auf eine Tour ging. Hinterher sollte es noch Pizza geben, die wurde allerdings auch nur hastig runtergeschlungen, weil dann schon die ersten Kinder wieder abgeholt wurden. Das komplett durchorganisierte Programm, lies den Kids nicht mal Zeit den Geburtstagskuchen zu essen oder die Geschenke auszupacken. Natürlich hatten alle Kinder Spaß, dennoch fande ich alles sehr hecktisch und irgendwie verfehlte es den Sinn einen Geburtstag zu feiern. Dabei geht es doch eigentlich darum, demjenigen der ein Jahr älter geworden ist, zu gratulieren und in den Mittelpunkt des Tages zu setzen. Aber hier, wollen die Kinder nur volle Unterhaltung, Süßigkeiten und Geschenke! Obwohl Marcus den Tag schön fand, hatte ich das Gefühl er konnte es gar nicht so richtig genießen, weil alles so schnell ging und überhaupt keine Zeit lies, so richtig mit all seinen Freunden zu spielen. Immerhin blieb dafür die Torte für uns übrig! 
Die nächsten Wochen bildete sich eine richtige Routine mit den Kindern. Zum einen weil wir durch jegliche Aktivitäten von Marcus nicht so viel Zeit haben groß irgendwas zu unternehmen und zum anderen hilft es den Kindern, damit sie vor Langeweile nicht anfangen zu streiten. Es gab kaum Momente in denen sie launisch waren oder nicht auf mich hörten! Ich kenne sie aber inzwischen auch so gut, dass ich genau weiß wie ich mit ihnen umgehen muss. Sie wissen auch, dass ich konsequent bin und wenn Eva dann mal wieder nicht auf mich hört und wegläuft, darf sie eben nicht auf dem Fahrrad nach Hause fahren, weil ich ihr nicht vertrauen kann! Das hat sie inzwischen sehr gut begriffen und nach einem großen Drama deswegen sprang sie mir 10 Minuten wieder in die Arme und spielte mit mir! 
Durch den geregelten Alltag verflog die Zeit unglaublich schnell in den letzten Wochen und ich kam auf einmal an einen Punkt, wo mir bewusst wurde, dass ich jetzt so richtig hier lebe! Ich muss nicht mehr alles vorausplanen, wie ich wo hinkomme, brauche selbst Nachts keine Karte mehr um mich in der Stadt zurecht zu finden und fing sogar an neu angekommenen Au pairs ein wenig rumzuführen. Dabei wurde ich selber an meinen ersten Tag in Sydney erinnert und wusste noch ganz genau wie beeindruckt ich von allem war! Diese Begeisterung konnte ich bei den anderen Mädchen allerdings nicht entdecken und so freute ich mich eben für die anderen mit und merkte dass es schön ist einfach nur durch die Stadt zu laufen! Dennoch braucht man ja auch Gesellschaft und so gab es an einem schönen Sonntag ein großes Picknick im botanischen Garten. Ich lernte ein paar neue Mädchen kennen und merkte dass die deutschen sogar nach ein paar Monaten in Australien nicht offener und geselliger geworden sind. Die einzige Amerikanerin wurde von Anfang an nicht einbezogen in dem alle nur deutsch redeten und als jemand ein Foto machen wollte, weil er es nett fand dass wir dort picknickten, wurde er angezickt und verjagt. Mir reichte es und ich entfernte mich von der Gruppe, mit dem Wissen dass ich mich mit ein paar Mädchen bestimmt nicht anfreunde! Zum Glück gibt es auch noch nette Mädchen mit denen man Abends so richtig schön feiern und spaß haben kann ohne einen Tropfen Alkohol zu trinken! Ich erkundete sozusagen das Nachtleben von Sydney, jetzt wo ich alles gesehen hatte was ich tagsüber am Wochenende machen kann! Ich ging ins Ballett im Opernhaus und dort sah ich die beste Aufführung, die besten Tänzer in meinem ganzen Leben. 3 Stunden lang saß ich still ohne zu merken dass ich mir etwas anschaue, die Ausstrahlung und Perfektion war so stark, dass man nicht einmal sehen konnte wenn sich die Tänzer auf einen Sprung oder komplizierten Drehung vorbereiteten. Man wurde richtig mitgenommen und ich sah niemand anderen mehr um mich herum! Als könnte der Abend nicht noch besser werden, ging ich danach noch in einen Club und hatte so viel Spaß wie noch zuvor beim feiern! Leider endete der Abend in einer Katastrophe als ich meine Kamera dort vergaß! Glücklicherweise gibt es noch ehrliche Menschen und sie wurde an der Bar abgegeben, so dass ich sie in der nächsten Woche abholen konnte!
Die Wochenenden waren inzwischen auch nichts besonderes mehr, sondern einfach 2 Tage in denen ich nicht mit Kindern zusammen war! 
Inzwischen ist hier der Winter eingekehrt, was so viel heißt, dass es morgens und Abends unglaublich kalt ist aber sobald die Sonne draußen ist kann man in Shorts und Top rumlaufen. Da ich in dieser Zeit des Tages auch noch frei habe, genieße ich das Leben hier in vollen Zügen. Natürlich fallen hier auch die Blätter von den Bäumen, aber dafür blühen Blumen die im Sommer vertrocknen würden und verstrahlen einen wunderbaren Duft! Ich fange hier richtig an zu leben und denke nicht mehr daran dass ich dieses unbekannte Land nur besuche da es inzwischen ja gar nicht mehr fremd für mich ist. 

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