In den letzten 2 Wochen konnte man deutlich spüren, dass der Herbst einkehrt. Gegen Nachmittag wird es kühler und auch morgens brennt die Sonne nicht mehr so heiß wie gewöhnlich! Und das schlimmste daran ist, dass es auch Abends relativ früh dunkel wird. Dennoch gibt es immer noch sehr heiße Tage mit knappen 30°.
Ansonsten hat sich hier inzwischen ein sehr guter Alltag eingependelt nachdem der ganze Trubel mit Besuch vorbei ist. Für mich heißt das, ich kümmere mich jetzt ganz allein um die Kids und muss sie beschäftigen. Aber genau dort lag mein Fehler, weshalb ich manchmal nicht wusste wie ich die paar Stunden am Nachmittag füllen soll. Denn eigentlich muss man gar nicht den Entertainer spielen. Wenn man sich einfach auf die Kinder einlässt und ihnen folgt, dann kommen ganz von alleine Ideen und Spiele um sich zu beschäftigen. Und das allerwichtigste was ich vor 2 Wochen entdeckt habe war, dass ich nur selber wieder zum Kind werden muss. Mit der einzigen Ausnahme, dass ich trotzdem noch Verantwortung tragen muss. Aber das war gar kein Problem. Ich habe mir einfach einen Roller geschnappt und wettrennen mit den Kids zum Park unternommen. Dort haben wir fangen auf den Klettergerüsten gespielt und sind Bäume hochgeklettert. Überhaupt versuche ich so viel wie möglich mit den Kindern rauszugehen. Zum einen um die letzen Sommertage zu genießen und zum anderen sind sie dann nicht so schnell gelangweilt und fangen an zu streiten. Das ist hier nämlich ein sehr großes Problem. Besonders Eva war sehr schwierig, aber nur weil sie am krank werden war, wie sich vor einer Woche herausstellte. Da sie aber körperlich erschöpft war, schwankte ihre Stimmung sehr stark und von einem Moment auf den anderen fing sie an zu weinen und ärgerte ihren Bruder ohne Grund und lies sich auch nicht wieder beruhigen. Das wurde mir dann zum Verhängnis, als ich Marcus zum Saxophon bringen musste. Einen Moment war ich nicht konzentriert genug, Weil die Kids sich gegenseitig treten und schlagen im Auto und schon war ich zu weit links und streifte ein anderes Auto. Nun gut, jetzt werde ich auch einmal die Erfahrung machen wie es in Australien abläuft wenn man einen Unfall hat. All die Dinge die ich in Deutschland in 18 Jahren nicht erlebt habe, tauchen hier in wenigen Monaten auf. Natürlich war ich dann erst mal sauer auf die Kinder, die den Rest der Autofahrt auch ganz still waren. Man darf Kindern aber nicht lange böse sein. 1. vergessen sie solche Dinge sowieso ganz schnell wieder, besonders Eva und 2. verstehen sie den Zusammenhang nicht. Als Eva dann am Nachmittag zu mir kam, während ich darüber nachdachte wie es jetzt weiter geht und fragte warum ich traurig bin, konnte ich ihr einfach nicht mehr böse sein. Und ich habe daraus gelernt, dass ich anhalte wenn die Kinder anfangen zu streiten im Auto! Glücklicherweise hatte ich am nächsten Tag wieder genug Zeit an den Strand zu gehen und mich zu entspannen. Und wenn man den Strand so nahe vor der Tür hat, wundert es mich nicht, dass alle Menschen hier so ruhig, entspannt und erholt erscheinen. Man sieht niemanden von einem Ort zum anderen hetzen und wenn man selber einmal rennt um einen Zug zu erwischen wird man komisch angeschaut. Diese Erfahrung machte ich als ich mich am Samstag vor einer Woche endlich mal ins Nachtleben stürzte. Da hier Alkohol sehr teuer ist, besonders in Clubs, traf ich mich vorher mit einer Freundin am Darling Harbour um eine Flasche Wein zu trinken. Da dies in der Öffentlichkeit eigentlich verboten ist, steckt man die Flasche einfach in eine Tüte oder füllt den Inhalt in eine andere Falsche um. Wir saßen also am Wasser schauten uns ein kleines Feuerwerk an, das hier einmal im Monat stattfindet und freuten uns auf die Nacht. Leider war ich ein wenig enttäuscht, denn in dem Club sah jeder gleich aus. Die Mädels hatten die engsten und kürzesten Sachen an und die Jungs liefen alle im Hemd rum, meistens ein blaues. Also genoss ich einfach die Musik und ruhte mich an dem Pool auf dem Dach aus. Völlig erschöpft, musste ich dann die komplette George street barfuss entlang rennen um meinen letzten Zug noch zu erwischen, der mich dann nach Hause brachte wo ich in einen tiefen Schlaf fiel.
So wie jedes Wochenende war auch am nächsten Tag wieder was los in der Stadt. Dieses mal wurde der St. Patricks Day mit einer Parade gefeiert. Ich zog also mit Lisa und ein paar anderen Freundinnen los in die Stadt, wo uns lauter in grün gekleidete Menschen begegneten. Diese Parade war ganz anders als die Mardi Gras. Viel ruhiger und besser geeignet für Familien, lief die ganze Zeit irische Volksmusik. Danach ging es weiter in den Hyde Park wo eine Bühne aufgebaut war. Wir setzen uns dort auf die Wiese hörten den Performern zu und aßen unseren Kuchen. Ganz am Ende wurde dann noch der irische Volkstanz aufgeführt und ich wunderte mich nicht mehr länger darüber, warum der Kobold das Symbol der Iren ist!
Die nächste Woche verlief problemlos. Eva ging trotz Erkältung in die Schule, dafür war sie am Nachmittag so erschöpft und ruhig, dass sie die meiste Zeit drinnen verbrachte, wo ich ihr etwas vorlas oder sie mit der kleinen Ella spielte. Ich lernte auch noch die Lena kennen, die ebenso in St. Ives wohnt und stürzte mich mit ihr am Donnerstag erneut ins Nachtleben. Dieses mal ging es aber nicht in die Innenstadt und ich muss sagen ich hatte deutlich mehr Spaß. Die Menschen hier wirkten nicht so angespannt, aufgesetzt und steif, sie waren einfach nur hergekommen um Spaß zu haben, dabei spielt es keine Rolle ob man am Ende alleine heimgeht oder nicht! Und dann war es auch schon wieder Freitag, das hieß wieder ein mal, Beach ich komme. Und ich entdeckte einen neuen Strand der noch schöner war als die anderen! So lässt sich das Leben am anderen Ende der Welt genießen und man vergisst all die Dinge, die einen im laufe der Woche gestört haben.
Am Samstag führte mich mein Weg auf der Suche nach einem Bioladen, in eine ganz andere Ecke von Sydney. Wie ich später von Caro erfuhr ist die Trainstation dort die gefährlichste. Ich hatte allerdings kein beklemmendes Gefühl, im Gegenteil ich war auf einmal im richtigen Leben von anderen Menschen angekommen. Familien spielten mit ihren Kindern im Park, andere sonnten sich bei einem Picknick auf der Wiese und ich kam in ein sehr künstlerisches Viertel. Dort waren die Türen zu kleinen Gallerien geöffnet und man konnte wenn es einen interessierte einfach hinein gehen oder man schaute nur beim vorbeigehen hinein. Als ich endlich mein langersehntes Körnerbrot gefunden und gekauft hatte, machte ich mich zu Fuß zurück Richtung Botanischen Garten, der hinter dem Opernhaus liegt. Ich lief die Crown Street entlang und verliebte mich umgehend in diese Straße. Die Häuserfassade sah aus, als wäre sie aus Pappe und würde in ein Filmstudio in Hollywood gehören. Ein Haus schloss direkt ans nächste An und war nur so breit, dass dort eine Tür und ein Fenster hinpasste. 2 Meter vor der Haustüre war ein kleines Gartenzaun und die 3 Schritte dorthin waren mit kleinen Bäumchen, Büschen und anderen Pflanzen bestückt. Hauptsache es war grün. Und diejenigen die 2 Stockwerke hatten, besaßen einen kleinen Balkon auf dem nicht mehr Platz war, als für ein Tisch mit 2 Stühlen, wo man herrlich seine Morgenzeitung mit einem Kaffe genießen kann. Das kleine Kind in mir machte sich bemerkbar und ich entdeckte viele kleine schöne Dinge. Überhaupt schien hier alles viel kleiner zu sein, als sonst in Australien. Dafür war alles einzigartig. Kein Haus sah aus wie das andere, die Kaffes gab es sonst nicht noch einmal und boten meistens nur Platz für max. 5 Tische. Studenten verkauften vor ihrem Haus auf der Straße alte Sachen und ich schaute in die ein oder andere offene Haustür hinein und wünschte mir, dort zu wohnen! Durch den botanischen Garten ging ich zum Openrhaus und wurde sofort aus meiner kleinen Welt gerissen. Alles war wieder daraus ausgelegt Geld zu machen und Touristen anzulocken. Schnell lief ich zur Harbour bridge um diese einmal zu Fuß zu überqueren und einen anderen Blick auf das Opernhaus zu bekommen und sofort ging es mir wieder besser, ich hatte das Gefühl wieder ein wenig freier zu sein. Vielleicht lag das auch nur an der Höhe und dem Wasser unter mir mit all den schönen Segelbooten. Gut gelaunt kam ich am Abend rechtzeitig zum babysitten nach Hause und wurde freudig von den Kindern entfangen die sich darauf freuten, dass ich wieder da bin um mit ihnen zu spielen. Ich lies das Wochenende am Sonntag erst mit einem schönen Brunch und dann einem kleinen Ausflug zum Darling Harbour ausklingen. Dort fand das indische Holi, das Fest der Farben statt. Auf einer Bühne zeigten die Mädchen und Frauen ihre Tänze, ich lies meine Hand mit Henna schmücken und in einem anderen Teil konnte man, wie es in Indien auf der Straße üblich ist, mit Farben um sich werfen. Und wieder einmal war ich erstaunt wie international Sydney ist und dass es keine Probleme unter den verschiedenen Kulturen gibt. Jeder kann seine Traditionen ausführen und es gibt niemanden der es verbietet oder versucht zu unterdrücken. Im Gegenteil jeder ist herzlich dazu eingeladen mit zu machen und einen schönen Tag zu verbringen.
