"Country roads, take me home"
Am Freitag scheint jeder mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein. Eva wollte nicht in die Schule, weil sie meinte, dass sie keine Freunde dort hätte. Es war äußerst schwer sie vom Gegenteil zu überzeugen, aber immerhin weinte sie nicht mehr als wir die schule erreichten und ich erhielt auch keinen Anruf, dass ich sie früher abholen soll. Als nächstes sollte ich Marcus Saxophon mittags in die Schule bringen, weil er dort Orchster hatte. Das läuft hier aber bisschen anders. Es gibt eine bestimmte Anzahl von jedem Instrument und die Kinder dürfe sich eines aussuchen, sie sind also nicht ganz frei in ihrer Entscheidung. Marcus z.B. wollte lieber Gitarre spielen aber die waren schon vergeben. Ich denke aber das er mit dem Saxophon auch sehr zufrieden ist. Jedenfalls versuchte er schon einmal darauf zu spielen, nachdem ich ihm gezeigt hatte wie es geht und er bekam sofort einen Ton heraus. Er konnte sogar schon mit den Klappen umgehen und verschiedene Töne spielen. Natürlich war er sehr stolz auf sich und meinte die ganze Zeit es sei extrem schwer. Und Für mich war es total schön mitzuerleben wie er das erste mal auf einem Instrument spielt! Auf jeden Fall ging ich dann mit dem Saxophon in die Schule und wartete am gleichen Platz wie jeden Tag aber Marcus tauchte nicht auf. Ich bekam langsam Angst und suchte den Schulhof ab, ging in sein Klassenzimmer und fragte letztendlich eine Lehrerin wo denn die Orchesterprobe stattfindet. Als ich endlich den Raum erreich hatte erklärte mir eine Dame nett und höflich, dass die Kinder die Instrumente heute noch nicht brauchen! Vollkommen gestresst lief ich zurück, weil ich eine halbe Stunde später wieder zur Schule musste um Marcus abzuholen. Glücklicherweise musste ich mich nicht um Eva kümmern da sie bei einer Freundin war. Nach der Schule kam auch direkt Karl nach Hause und wir packten alles für unseren Campingausflug übers Wochenende. Es war lange nicht klar, ob wir überhaupt gehen, Weil Sturm und Gewitter angesagt waren. Wir forderten unser Glück aber heraus und unsere Entscheidung zu gehen wurde am Mittag endgültig gefällt. Als Eva dann zurück kam, packten wir das Auto voll, nahmen noch eine Freundin von Carolyn mit und dann konnte das Abenteuer beginnen. Und für mich war es tatsächlich ein Abenteuer in die Fremde. Als wir erst mal aus der Stadt heraus waren sah man die unendliche Weite von Australien. Und nicht umsonst wird es der rote Kontinent genannt, denn überall in den Bäumen kann man einen Rotstich erkennen auch wenn sie sonst Grün sind. Wir fuhren auf breiten Straßen und kamen durch Orte bei denen man glaubte hier sind vor gerade mal 5 Jahren die ersten Siedler angekommen und man selber gehört zu den ersten die dieses Land erkunden. Weit und Breit war niemand zu sehen nur hin und wieder tauchte eine breites flaches Farmgebäude auf mit einer riesigen Pferdekoppel was wirklich seltsam ist, weil Pferde hier irgendwie gar nicht reinzupassen scheinen. Wir fuhren durch einen Ort namens Berry und auf einen Schlag war ich in eine Cowboy-Stadt aus den versetzt worden. Zwar gab es keine Wüste außen herum, aber die Stimmung, einer solchen Kleinstadt und die Läden passten einfach perfekt. Auch die Straße davor und danach, war gesäumt von großen Reklameschildern und dann kam uns auch noch ein riesiger Truck entgegen, der das Bild vervollständigte! Wir näherten uns dem Ziel und kamen natürlich in einen enormen Regenschauer. Man konnte keine 5 Meter weit sehen, geschweige denn wirklich Autofahren. Die Kinder konnten nicht schlafen und wurde immer unruhiger. Einerseits weil sie aufgeregt waren und andererseits, weil Kinder einfach keine 3 Stunden lang ruhig sitzen können und schon längst deprimiert waren von dem nicht mehr aufzuhörenden Regen. Natürlich hatten wir einen Notfallplan, falls es gar nicht mehr aufhört. Es war schon längst dunkel als wir endlich Jervis Bay erreichten, ich sah mein erstes Känguru, das über die Straße hüpfte und hatte das Gefühl in einem ganzen anderen Land angekommen zu sein dabei waren wir nur 3 Stunden von Sydney entfernt. Aber die Natur war hier so beeindruckend, besonders wenn es mal nicht regnete. Man konnte den Kapf zwischen Sonne und Regenwolken genau erkennen. Und es tauchten sogar 2 Regenbögen hintereinander auf, von denen einer sehr kräftig war! Der Regen hatte endlich aufgehört und so konnten wir schnell unser Zelt aufbauen. Die Kinder quengelten schon weil sie müde und hungrig waren und dann kam das nächste Drama. Eva hatte ihren Schlafsack nicht bei den anderen liegen gehabt sonder wollte ihn unbedingt in ihrem eigenen Zimmer haben. In der Eile des Packens hatte auch keiner nachgezählt und so fehlte ein Schlafsack. Und jetzt flossen natürlich die Tränen die nur durch ein Picknick im Zelt trockneten. Und kaum hatten wir angefangen zu essen fing es an in Strömen zu regnen, so dass man sein eigenes Wort nicht mehr hören konnte!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen